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Gesucht: Zuverlässige Dame Mitte 50

Gute Hauswirtschafterinnen sind derzeit Mangelware – eine sechsmonatige Fachausbildung sorgt für den Start in eine erfolgreiche berufliche Zukunft.
Essen (Profact) - 40 bis 55 Jahre alt, Jahrzehnte "nur" Hausfrau und Mutter - wer mit so einer Biografie auf den Arbeitsmarkt drängt, hat normalerweise keine Chance. Zumindest nicht auf einen gut bezahlten, verantwortungs- und anspruchsvollen Job, der auch noch Spaß macht. Das dachte auch Karin Schlitte. Trotz Abitur und abgeschlossener Ausbildung als Optikerin machte sich die damals 52-jährige Essenerin keine allzu großen Hoffnungen, als sie nach vielen erfolglosen Bewerbungen bei der Arbeitsagentur vorsprach. Viele Jahre hatte sie sich ausschließlich ihrem Mann und ihren vier Kindern gewidmet. Ihr fehlten sowohl die Berufspraxis als auch der aktuelle technische Background. "Umso überraschter war ich, als die Arbeitsvermittlerin mir gute Aussichten attestierte", erklärt Schlitte. "In einem Beruf, auf den ich im Traum nicht gekommen wäre: als Hauswirtschafterin." Ein Bildungsgutschein ebnete ihr schließlich den Weg zur EHA, zur Europäischen Hauswirtschaftsakademie in Essen.
"Wer bei uns eine Aus- oder Weiterbildung in der gehobenen Hauswirtschaft macht, hat tatsächlich glänzende Berufsausaussichten", bestätigt Karl-Heinz Leciejewicz, Geschäftsführer der EHA GmbH. "Die Nachfrage nach zuverlässigen und gut ausgebildeten Hauswirtschafterinnen gerade in der sonst schwierig zu vermittelnden Altersgruppe zwischen Mitte 30 und 55 ist enorm. Die Nachfrage übersteigt bei weitem das Angebot." Insgesamt sechs Monate dauert der Kurs. Drei Monate heißt es Schulbankdrücken und professionelle Handgriffe rund um Kochen, Saubermachen und Service lernen. Anschließend geht es für ein dreimonatiges Praktikum in einen Referenzhaushalt. "Hier bekommen unserer Schüler den letzten Schliff", sagt Leciejewicz. "Denn unsere Klientel, der wir die bei uns ausgebildeten Hauswirtschafterinnen vermitteln, ist anspruchsvoll."
Diese Erfahrung machte auch Karin Schlitte. Aber sie habe sich durchgebissen und leite nun den 450-Quadratmeter-Haushalt eines Vorstandsmitglieds aus der Großindustrie. "Das ist für mich weit mehr als ein Job", betont sie. "Das ist ein Beruf, der mich voll ausfüllt und bei dem meine Leistungen unmittelbar gewürdigt werden." Verabschieden solle man sich aber auf jeden Fall von den Vorstellungen, Hauswirtschafterinnen würden ein Leben à la "Das Haus am Eaton Place" führen, bei dem das Personal ein eher unterprivilegiertes Dasein fristet. "Ich habe eine ganz normale Arbeitswoche mit 35 bis 40 Stunden", erklärt Schlitte. "Ich sorge für den Einkauf von Lebensmitteln, koche und halte die Wohn- und Schlafräume in Ordnung. Dabei muss ich jeden Tag aufs Neue mein Organisationstalent und meine Flexibilität unter Beweis stellen. Und genau das liebe ich so an dem Beruf. Zudem ist mein Gehalt recht ordentlich ..."
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