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[Ressort: Wirtschaft]
Die Warenwirtschaft geht ins Netz

Wirtschaftlicher Dreh- und Angelpunkt jeder Apotheke ist das Warenwirtschaftssystem ...
Oberhausen (Profact) - Klassischerweise ein Server mit angeschlossenen Kassenrechnern, auf dem eine Datenbank mit entsprechender Verwaltungssoftware läuft. Wie jede Computerumgebung unterliegt auch das Warenwirtschaftssystem einer Apotheke kontinuierlicher Administration, vom Einspielen der Updates bis zum regelmäßigen Backup. Ein Aufwand, den die weitaus meisten Apotheker offenbar als unausweichlich akzeptiert haben. So lange alles glatt läuft, ist das alles zwar lästig aber beherrschbar. Kritsch allerdings wird's dann, wenn eine wichtige Komponente versagt. Und damit ist laut "Murphys Gesetz" ("Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.") unbedingt zu rechnen ...
Finanzinstitute machen es vor
Zu den Branchen, die sich Ausfälle dieser Art auf keinen Fall leisten können, gehören Banken und Versicherungen. Die haben schon vor langer Zeit erkannt, dass Redundanz in professioneller Informationstechnologie unabdingbar ist. Alles ist wenigstens doppelt ausgelegt: Server, Software, Datenbanken, selbst Stromversorgung und Kühlung. Fällt ein Teil aus, übernimmt die Reserve automatisch und blitzschnell das Kommando. Dieses Sicherheitsnetz erfordert naturgemäß einen entsprechenden Hardware-, Software- und Verwaltungsaufwand. Der ist mittlerweile so hoch, dass die Institute wesentliche Teile ihrer Computerumgebung ausgelagert haben - in Rechenzentren. Die machen nichts anderes, als für einen ständigen und einwandfreien Betrieb der IT zu sorgen. Die datenverarbeitende Software läuft auf Rechnern des Zentrums, der Kunde sendet über extra gesicherte Telefon- oder Datenleitungen lediglich noch Anfragen und erhält Ergebnisse, wozu in der Regel recht kleine und anspruchslose "Client"-Computer ausreichen. Es versteht sich von selbst, dass diese Art der digitalen Kommunikation wesentlich effizienter, zuverlässiger und auch erheblich preisgünstiger läuft als der Betrieb eigener Server.
Bleibt die Frage: Lässt sich dieses IT-Szenario auch von Apothekern nutzen? Durchaus, sagt beispielsweise Sven Bertram, Geschäftsführer der ASYS Softwareentwicklung GmbH in Oberhausen: "Je weniger der Apotheker mit der Wartung seiner Computer beschäftigt ist, desto intensiver kann er sich seiner eigentlichen Aufgabe widmen: Kundenberatung und Verkauf." Von der IT-Seite her gesehen sei es völlig egal, ob der Server im Nebenraum oder in einem kilometerweit entfernten Rechenzentrum steht. "Das Internet macht's möglich", so Bertram. Für die Kommunikation zwischen Apotheke und Server im Rechenzentrum seien nur minimale Verbindungsbandbreiten notwendig. "Wenn im Rechenzentrum ein leistungsfähiges Apotheken-Warenwirtschaftssystem installiert ist - eine Lösung, die wir favorisieren - unterscheidet sich die Online-Anbindung von der Bedienung her in nichts von der stationären Installation." Wie der IT-Experte weiter ausführt, stünden in der Apotheke dann nur noch ziemlich kleine und wartungsfreie Mini-PCs, so genannte Thin Clients, als Kassenrechner. "Durch die Auslagerung der Server ins Rechenzentrum wird aber nicht nur die wichtige Redundanz erreicht, auch die Aktualisierung der Daten geschieht vollautomatisch", erklärt Bertram. "Der Apotheker profitiert von einem stets aktuellen Datenbestand, muss sich weder um Updates noch um Backups kümmern, spart somit viel Zeit."
Dass sich ein Online-Warenwirtschaftssystem für die Apotheke rechnen kann, bestätigt André Butterweck, Diplom-Ökonom bei der RST Steuerberatungsgesellschaft mbH in Essen. "Wer sich nicht mehr um die Administration des Servers kümmern muss, kann die gesparte Zeit für den aktiven Verkauf und die Beratung nutzen. Das gilt für Apotheker, PTAs und Helferinnen gleichermaßen. Die Umsatzrendite erhöht sich fast von allein, vor allem dann, wenn die laufenden Kosten des Systems möglichst gering und für einige Jahre festgeschrieben sind." Apotheker Rüdiger Hartong aus Bonn pflichtet ihm bei: "Seit einem Jahr betreibe ich gemeinsam mit vier weiteren Kollegen insgesamt acht Apotheken im Rechenzentrum. Die komplette Administration des Servers läuft vollautomatisch, das bedeutet für uns: wesentlich mehr Zeit für das Kerngeschäft und den Ausbau unserer Apothekengruppe. Wir müssen uns im Grunde nur noch um das Ein- und Ausschalten der Arbeitsplätze kümmern."
Daten im Tunnel
Bei einem Outsourcing-Projekt wie die Online-Warenwirtschaft spielt die Datensicherheit natürlich eine übergeordnete Rolle. Schließlich laufen hier hochsensible Informationen wie Namen, Diagnosen, Medikationen und Umsätze über normale Telefonleitungen, die potenziell abgehört und manipuliert werden können. Dass dies dennoch nach menschlichem Ermessen unmöglich ist, dafür sorgt eine Technologie mit der Bezeichnung VPN. Diese drei Buchstaben stehen für Virtual Private Network, zu Deutsch virtuelles privates Netzwerk. Gemeint ist damit ein Verfahren, das in öffentlichen Netzen wie dem Internet ein rein privates - und damit abhörsicheres - Netz simuliert. Zwar lassen sich auch Datenströme bei der normalen Internetkommunikation verschlüsseln; VPN setzt aber noch einen drauf: Es "überlagert" das im Internet übliche Protokoll mit einem eigenen, das nur von den an der Kommunikation beteiligten Endgeräten verstanden wird, Fachleute sprechen dabei von einem Tunnel.
"Die Software der Endgeräte übernimmt die Übersetzungsfunktion der VPN-Datenpakete, wenn diese über die Internetleitungen herausgehen oder hereinkommen", erklärt Nils Mikloweit von der maxtek GmbH, einem Unternehmen für Informations- und Kommunikationstechnologie und Spezialist für hochverfügbare Standortvernetzungen. "Das verwendete Kommunikationsprotokoll wird wie eine Hülle genutzt, die dabei hilft, den tatsächlichen Inhalt zu verschleiern. So lassen sich unsichere Netzwerkprotokolle eingebettet in einem gesicherten und verschlüsselten Netzwerkprotokoll abhör- und manipulationssicher transportieren."
Für Sven Bertram jedenfalls liegt die Zukunft des Apotheken-Warenwirtschaftssystems eindeutig in einem durch Internettechnologie angebundenem Rechentrum: "Die Vorteile sind zu auffällig", argumentiert er. "Kein Administrationsaufwand, Ausfallsicherung rund um die Uhr, geringe Kosten - gerade für Apotheker ein sehr attraktives Szenario."
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